Mitten im Herzen des Odenwalds, bei Lautertal, verbirgt sich ein Ort, der auf den ersten Blick fast surreal wirkt: das Felsenmeer. Riesige, glatt geschliffene Granitblöcke türmen sich hier zu einem scheinbar endlosen Meer aus Stein – wild, mächtig und zugleich faszinierend ruhig. Schon beim ersten Schritt in dieses Naturwunder wird klar: Diese Landschaft ist alles andere als gewöhnlich.
Diesen Ort hatte ich schon länger auf meiner To-Do-Liste, ich kannte ihn bislang nur von Bildern oder TV-Reportagen. Die Anfahrt war stellenweise ein bisschen nervig, da die Strecke durch mehrere Ortschaften führt. Irgendwann ist man dann aber aus dem Gewusel heraus.
Was nicht heißt, dass es auf der Wanderung kein Gewusel gibt, aber dazu etwas später.
Ich muss gestehen, ich weiß gar nicht, ob das eine "offizielle" Rundtour ist, also wie jene, die ausgeschildert und mit besonderen Wegzeichen an den Bäumen markiert sind. Ich habe sie über Komoot gefunden und werde sie weiter unten verlinken. Start und Ziel ist der Wanderparkplatz beim Hotel Kuralpe.
Das Felsenmeer entstand vor rund 340 Millionen Jahren, als flüssiges Gestein im Erdinneren langsam abkühlte und zu Granit erstarrte. Durch tektonische Bewegungen, Verwitterung und Erosion zerbrach das Gestein schließlich in die gewaltigen Blöcke, die heute das Landschaftsbild prägen. Besonders beeindruckend ist die sogenannte „Wollsackverwitterung“, die den Felsen ihre rundliche, fast weich wirkende Form verleiht.
Es war so gut wie unmöglich, Bilder ohne Menschen zu machen! Ich war auch wirklich froh, als ich den Trubel endlich hinter mir lassen konnte und wieder allein auf gewohnten, ruhigen Waldwegen war. An einer kleinen Quelle am Rande eines Wald- und Vogellehrpfades hab ich dann Pause gemacht, Klamotten gewechselt und ein bisschen das kühle Wasser genossen.
| Funkturm auf dem Gipfel auf 514m |
| Zum Schluss noch mal ein krasser Pfad ins Tal |
Im Gegensatz zu meinen bisherigen Touren war das aber noch nicht das letzte Ziel, das ich an diesem Tag besucht habe. Etwa eine Stunde von hier befindet sich ein etwas ungewöhnlicher Ort, der seine Wurzeln in einer eher unschönen Vergangenheit hat.
Die Thingstätte bei Heidelberg ist ein eindrucksvolles Freilichttheater auf dem Heiligenberg und ein historisch bedeutender Ort. Sie wurde in den 1930er-Jahren während der Zeit des Nationalsozialismus erbaut und diente ursprünglich als Versammlungsstätte für propagandistische Veranstaltungen. Mit ihrer halbrunden, in den Hang gebauten Form erinnert sie an antike Amphitheater und bietet Platz für mehrere tausend Menschen.
Heute ist die Thingstätte vor allem ein beliebtes Ausflugsziel und ein besonderer Ort für Wanderer, Fotografen und Geschichtsinteressierte. Umgeben von Wald und mit Blick über Heidelberg verbindet sie Naturerlebnis mit einer bewegten Vergangenheit – ein Ort, der zum Nachdenken ebenso einlädt wie zum Entdecken.
Der Begriff „Thingstätte“ leitet sich vom altnordischen und althochdeutschen Wort „Thing“ (auch „Ding“) ab. Damit wurde in germanischer Zeit eine Volks- und Gerichtsversammlung bezeichnet, bei der freie Männer zusammenkamen, um über Gesetze, Streitigkeiten und wichtige gemeinschaftliche Entscheidungen zu beraten. Das „Thing“ war somit ein zentraler Ort politischer und sozialer Ordnung.
Eine „Thingstätte“ war folglich der Platz, an dem diese Versammlungen stattfanden – oft unter freiem Himmel und an markanten Orten wie Hügeln oder Lichtungen. In den 1930er-Jahren griffen die Nationalsozialisten diesen historischen Begriff wieder auf und nutzten ihn für monumentale Freilichtbühnen, die bewusst an die vermeintlich germanische Tradition anknüpfen sollten.
Das Ding ist gigantisch! Die gesamte Größe kann man auf den Bildern und dem Video nur erahnen. Leider gibt es keine lizenzfreien Luftaufnahmen, auf denen die Monstrosität sichtbar ist. Aber googeln hilft ;-) Ich hab mich allerdings gefragt, auf welchen Wegen damals die Menschenmassen auf den Berg gekommen sein sollen, um das Riesending zu füllen. Immerhin bietet es Platz für etwa 20000 Besucher. Über die schmale Straße? Die Waldwege? Vielleicht war ja u. a. die Lage ein Grund, dass das Bauwerk nicht lange genutzt wurde. Bis heute findet - gerade wegen der schlechten Zufahrt - dort nichts mehr statt.
Der "Bühneneingang":
Achtung: Die Straße hoch auf den Heiligenberg verdient den Namen nicht! Man hat das Gefühl, dass die Erbauer der Thingstätte die Letzten waren, die an der Zufahrt jemals etwas gemacht haben. Ich hatte bei den ganzen Schlaglöchern und Rissen zeitweise Angst, dass mir der Camper auseinanderfällt!







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