Auf den Spuren der Treidler
Der Name des Weges erinnert an eine längst vergangene Zeit der Rheinschifffahrt.
Bevor Dampfschiffe die Schifffahrt revolutionierten, mussten Schiffe auf dem Rhein teilweise mühsam gegen die Strömung bewegt werden. Beim sogenannten Treideln wurden Schiffe vom Ufer aus mit langen Leinen stromaufwärts gezogen. Dafür kamen Menschen, aber auch Zugtiere zum Einsatz.
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| Bild KI-generiert |
Die Wege am Fluss, auf denen die Treidler unterwegs waren, wurden zu wichtigen Verkehrswegen entlang des Rheins.
Heute ist davon vor allem die Erinnerung geblieben. Statt schwer arbeitender Treidler begegnet man auf dem Treidlerweg Spaziergängern, Wanderern, Vögeln und mit etwas Glück auch einem großen Frachtschiff, das ruhig über den Rhein gleitet.
Startpunkt in Hördt
Der offizielle Ausgangspunkt befindet sich am Wanderparkplatz an der Rheinstraße in Hördt. Er befindet sich am Ortsrand zwischen dem Bauhof und einem Schrottplatz. Zugegeben, ich hab schon an schöneren Orten geparkt. Dafür ist man nur wenige Meter weiter schon in schönster Natur. Von hier führt die Runde nämlich zunächst in Richtung Hördter Rheinaue. Schon nach kurzer Zeit erreicht man den Michelsbach und damit eine Landschaft, die sich deutlich von vielen klassischen Wandergebieten der Pfalz unterscheidet.
Statt steiler Anstiege bestimmen Wasserläufe, feuchte Wiesen, Schilf und mächtige Bäume das Bild.
Die aktuelle Tourbeschreibung gibt die Strecke mit etwa 12,6 Kilometern, rund 3 Stunden Gehzeit und lediglich etwa 7 Höhenmetern im Auf- und Abstieg an. Damit ist der Treidlerweg offiziell als leichte Wanderung eingestuft. 12 Kilometer sind dennoch ganz ordentlich. Und ja, ich weiß, für viele ist das gerade mal ein "Spaziergang" 😊
Die Hördter Rheinaue – der „Pfälzer Urwald“
Das eigentliche Highlight der Wanderung ist neben dem alten Treidlerpfad, den man etwa nach der Hälfte der Strecke erreicht, die Hördter Rheinaue.
Die Auenlandschaft gehört zu den ökologisch besonders wertvollen Landschaftsräumen am Oberrhein. Wasser und Land sind hier eng miteinander verbunden. Altrheinarme, Teiche, Feuchtbereiche und der Auwald schaffen Lebensräume für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten.
Der Weg führt unter anderem am Michelsbach entlang. An seinen Ufern wachsen Weiden und Pappeln, während Schilf, Gräser und Wasserpflanzen die Uferbereiche prägen.
Besonders eindrucksvoll sind die sogenannten Erdgruben. Dabei handelt es sich um ehemalige Abgrabungen beziehungsweise Gewässer, die heute teilweise von Teich- und Seerosen bedeckt sind.
Je nach Jahreszeit präsentiert sich die Landschaft immer wieder anders. Im Frühjahr können große Bärlauchbestände den Waldboden bedecken, während später Schilf, Gräser und die gelben Blüten der Schwertlilien das Bild bestimmen.
Wasser bestimmt die Wanderung
Auf dem Treidlerweg ist das Wasser praktisch allgegenwärtig.
Mal begleitet der Michelsbach den Weg, dann tauchen kleinere Gewässer und Altrheinarme zwischen den Bäumen auf. Später öffnet sich die Landschaft und der Rhein rückt in den Mittelpunkt.
Gerade dieser Wechsel macht den Weg interessant: Eben noch wandert man durch einen fast verwunschen wirkenden Auwald, wenig später steht man am Rheinufer und blickt über das Wasser. Normalerweise lassen sich ja am Rhein auch die vielen Schiffe beobachten, derzeit allerdings (Oktober '26) herrscht noch extremes Niedrigwasser und es ist gespenstisch still am und auf dem Fluss.
| Pause an der Ufertreppe mit Blick aufs Wasser |
Am Rhein entlang
Ein besonders schöner Abschnitt führt auf dem Rheindamm beziehungsweise entlang des Rheins.
Hier verändert sich die Atmosphäre deutlich. Der Wald tritt zurück, der Blick wird weiter und der Rhein vermittelt eine ganz andere Dimension.
Während früher an diesem Flussabschnitt Menschen und Tiere Schiffe mühsam stromaufwärts ziehen mussten, gleiten heute - normalerweise - moderne Frachtschiffe nahezu selbstverständlich über das Wasser. Genau hier wird der Name Treidlerweg besonders greifbar: Geschichte und Gegenwart liegen unmittelbar nebeneinander.
Nach einer Weile verlassen wir den Rhein und biegen wieder rechts ab in den Wald. Über einen Deichweg und durch Wald und freies Feld erreichen wir nach etwas über drei Stunden wieder den Camper, wo mal wieder ein heißer Kaffee wartet, bevor es anschließend nach Hause geht.
Eine Wanderung ohne große Höhenmeter
Wer bei einer Wanderung gerne lange Strecken zurücklegt, aber auf steile Anstiege verzichten möchte, findet im Treidlerweg eine interessante Alternative. Die Strecke ist nahezu flach. Die Herausforderung liegt deshalb nicht in den Höhenmetern, sondern eher in der Länge der Tour und – je nach Jahreszeit und Wetter – in den Wegverhältnissen.
Der Treidlerweg wird vom Deutschen Wanderinstitut als Premiumwanderweg geführt. Die aktuelle Zertifizierung ist bis Dezember 2026 gültig.
Wann lohnt sich der Treidlerweg besonders?
Eigentlich zu jeder Jahreszeit.
Frühling:
Die Aue erwacht zum Leben. Bärlauch, Schwertlilien und frisches Grün sorgen für intensive Farben und Düfte.
Sommer:
Das dichte Grün des Auwaldes und die zahlreichen Wasserflächen sorgen für eine besondere Atmosphäre. Gleichzeitig können die Temperaturen auf den offenen Abschnitten deutlich höher sein.
Herbst:
Jetzt zeigt die Rheinaue ihre vielleicht stimmungsvollste Seite. Bunte Blätter, spiegelnde Wasserflächen und tief stehendes Licht machen den Weg besonders fotogen.
Winter:
Wenn das Laub fehlt, werden die Strukturen des Auwaldes sichtbar. Die Ruhe der Rheinauen kann jetzt besonders intensiv wirken.
Allerdings gilt: Bei Hochwasser kann der Weg nicht begehbar sein. Vor einer Wanderung sollte deshalb auf die aktuellen Bedingungen geachtet werden.
Für wen ist der Treidlerweg geeignet?
Der Treidlerweg ist eine gute Wahl für Wanderer, die lange, entspannte Touren in einer flachen Landschaft bevorzugen. Durch die geringe Steigung ist die Strecke auch für Familien und Wanderer interessant, die keine Bergwanderung suchen. Trotzdem sollte man die rund 12,6 Kilometer nicht unterschätzen.
Gutes Schuhwerk ist sinnvoll, insbesondere wenn die Wege nach Regen feucht sind.
Auch ausreichend Getränke und eine kleine Verpflegung gehören in den Rucksack. Entlang der Strecke gibt es Möglichkeiten für eine Pause und ein Picknick.
Mein Fazit zum Treidlerweg
Der Treidlerweg ist keine Wanderung für diejenigen, die spektakuläre Gipfel, Felsen oder steile Schluchten suchen.
Seine Stärke liegt woanders.
Hier sind es Wasser, Wald, Ruhe und Geschichte, die den Reiz der Tour ausmachen. Die Hördter Rheinaue wirkt stellenweise fast wie eine kleine Wildnis. Altrheinarme ziehen sich durch den Auwald, Schilf bewegt sich im Wind und irgendwo zwischen den Bäumen ist immer Wasser zu entdecken. Und wenn schließlich ein Schiff auf dem Rhein vorbeizieht, bekommt der Name des Weges seine ganz eigene Bedeutung.
Der Treidlerweg zeigt eine andere Seite der Pfalz – flach, ruhig, ursprünglich und überraschend abwechslungsreich.

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